Porträt

Aufgewachsen in den Walliser Bergen bin ich seit meiner Kindheit vertraut mit den elementaren Kräften, mit den Sagen, Mythen und wilden Geschichten
einer urwüchsigen Landschaft.

Diese Erfahrungen prägen mein Leben und sind wohl Grund für meine naturbezogene Weltsicht und meine Passion, die verborgene Wirklichkeit hinter den Dingen zu erkunden.

Schreiben begleitet mich seit meinen Kindertagen. Damals hatten die Wörter für mich Farben. Die Sonntagspredigt des Dorfpfarrers explodierte in Buntheit und Klang. Natürlich verlor sich diese Lebendigkeit der Sprache im Erwachsenenalltag, in der Bewältigung von Protokollen und Sachtexten. Doch immer blieb mir das Staunen darüber erhalten, dass ein ganzes Weltbild kippen kann - mit nur einem Wort. Und immer wieder gab es Zeiten, in denen das persönliche Schreiben für mich lebenswichtig war, heilsam. Schreiben wurde zum Bewusstseinsweg: Altes los lassen, Neues entwerfen, Prozesse der Wandlung willkommen heissen, zur Mitschöpferin der eigenen Geschichte werden. In diesem Sinne habe ich auch meine Schreibseminare durchgeführt.

Nach 50 Jahren Leben im Schweizer Mittelland bin ich zumindest teilzeitlich wieder im Wallis daheim. Noch tönt in meinen Ohren der Dialekt meines Bergdorfes ganz speziell – ganz anders zumindest als das Walliser Deutsch, das ich weiter Rhone abwärts in meiner Kindheit erlernt habe. Es berührt mich tief, dass die Sprache so eng mit der Erde verbunden ist, dass jedes Tal seine eigenen Nuancen ausprägt.

Porträt


„Geschichten wachsen nicht zufällig an bestimmten Orten“, schreibt die Schriftstellerin Eveline Hasler. Der Blick von meinem Arbeitszimmer hinaus auf das Dorf mit seinen dunklen Holzhäusern, auf die Moränenhügel der einstigen Gletscher, hinein in die schroffen Tiefen des Nachbartals und hinauf in die eisigen Höhen der Viertausender lässt mich keinen Augenblick daran zweifeln, dass hier hinter jedem Stein und jedem Baum Geschichten warten, die erzählt werden wollen.

Ich glaube an die Kraft des Erzählens: Geschichten können der Seele Nahrung geben, die ihr hilft, das Wesen des Lebens zu begreifen und für sich den guten Platz des Wirkens zu finden. Sich mit den Zellute (Erzählungen) und mit den Kräften des Landes, mit den Steinen und Blumen, mit den Wassern, Bäumen und Tieren und Menschen verbinden, das bedeutet: Ankommen an seinem Platz.

Diese Begegnung zulassen, auch die Konfrontation mit der Tradition und Geschichte dieses Dorfes, mit den Ahnenkräften, die hier zu grosser Lebendigkeit erwachen, mit der Spiritualität, die dieses Land durchwebt.  Das ist es, was mit interessiert. Und wie in meiner früheren Arbeit als Journalistin, Autorin, als Seminarleiterin und Coach öffne ich den Blick für die weibliche Sicht der Dinge, für die Kultur und oft verborgene Geschichte der Frauen, die in diesem Tal wirkten und dies immer noch tun.

So nehme ich dankbar die Atmosphäre und die Inspirationen auf, die das Land an der jungen Rhone mir bietet und verbinde sie mit meinen eigenen Themen. Dabei entstehen Texte - Gedichte, Geschichten, Sagen – so, wie sie in dieser Landschaft immer schon entstanden sind.